Monatsrückblick Mai

[enthält unbezahlte Werbung in Form von Streaming- und Buchtipps] Ich möchte mich so gerne an das Schöne im Mai erinnern. An Mohnblüten, die sich unter der Last von Hummeln biegen. An den makellos blauen Himmel, der nur durch die flitzenden Mauersegler unterbrochen wird. An laue Frühsommerabende mit klingenden Gläsern und dem Duft der Hibiskusblüten. An knackfrischen Spargel und verführerisch süße Erdbeeren. An kühle Morgenläufe und die erste Umarmung nach langer Zeit. Das war der Mai.

Monatsrückblick Mai

Der Mai war aber auch ganz anders. Denn vor die schönen Bilder schieben sich solche von geifernden Massen, die nach wenigen Wochen mit Mund-Nase-Schutz glauben, ihre Grundrechte seien eingeschränkt. Bilder von Polizeigewalt in den USA, die sich viel zu oft und viel zu brutal gegen Menschen mit dunkler Hautfarbe wendet. Bilder von Zynikern, die glauben, sie hätten das Recht, den Satz „I can’t breathe“ für ihre Ignoranz gegenüber dem Tragen von Masken zu vereinnahmen. Bilder von Journalist:innen, die verhaftet oder sogar beschossen werden. Bilder eines Brandstifters, der – die Bibel schwenkend – Menschen gegeneinander aufhetzt, statt sie zu versöhnen. Auch das war der Mai.

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Und was wird uns der Juni bringen? Dieser Mittsommermonat mit seinen endlosen Tagen und warmen Nächten? Noch mehr Spaltung, Hass und Ignoranz gegenüber Schwächeren? Oder Solidarität, Gemeinschaftssinn und Empathie?

„So ist das Leben und so muss man es nehmen – tapfer unverzagt und lächelnd, trotz alledem.“ (Rosa Luxemburg)

Lasst uns einen Blick auf den Mai werfen…

Gesehen

Eine weitere Watchparty mit Astrid hat uns „Knives Out“ beschert – ein wunderbarer Who-dunnit-Krimi in bester Agatha-Christie-Manier und mit einem Ensemble (Daniel Craig, Jamie Lee Curtis, Christopher Plummer, Toni Collette uvm.), das sichtlich Spaß an der Arbeit hatte. Wer „Tod auf dem Nil“ oder „Mord im Orient Express“ mochte, wird „Knives Out“ ebenfalls sehr mögen!

Gehört

Ich bin kein Podcast- oder Hörbuch-Fan. Vermutlich, weil ich schneller lese, als die meisten Menschen reden oder vorlesen können. Außerdem schweifen meine Gedanken beim Zuhören viel eher ab als beim Lesen. Und leider sind die meisten Podcasts auch schrecklich selbstverliebt und nichtssagend. Ausnahmen gibt es natürlich immer! Und so habe ich an einem Abend beim Bügeln die 6-teilige True-Crime-Doku „Ursula“ von BR2 entdeckt:

Als ich nach München kam, war der Fall Ursula Herrmann gerade wieder in den Schlagzeilen, weil er neu aufgerollt worden war. Bis heute ist allerdings nicht klar, wie – und vor allem: von wem! – das kleine Mädchen entführt und in einer Kiste vergraben wurde. Trotz ausgeklügelter Konstruktion erstickte das Kind in der Kiste. Und obwohl ein Mann als Täter verurteilt wurde, gibt es bis heute gehörige Zweifel – nicht nur bei dem Bruder von Ursula. Akribisch und bis zur haarsträubenden letzten Spur geht die Radio-Doku dem Fall auf den Grund. Die idyllische Gegend um den Ammersee wird man nachher nicht mehr mit den gleichen Augen sehen können…

Gelesen

Den gesamten Mai über war ich mit der Crew der Pequod auf Walfang. Seit Jahren hat mich „Moby Dick“ gereizt und ich hab die rund 900 Seiten tapfer durchgebissen. Aber selbst ein so großer Fan von Seefahrer-Romanen wie ich, kommt an seine Grenzen. Das Buch ist nicht wirklich gut gealtert (trotz fulminanter Neuübersetzung durch Matthias Jendis). Vor rund 170 Jahren, also als Herman Melville sein Epos um den Weißen Wal verfasste, waren Rassismus und die Einbildung, der (weiße) Mensch sei die Krone der Schöpfung, allgegenwärtig.

Moby Dick Buchcover.

Als Literaturwissenschaftlerin bin ich durchaus in der Lage, Bücher in ihrem historischen Kontext zu beurteilen. Und so kann ich Melville auch nicht verübeln, dass er Tieren Boshaftigkeit unterstellt, ihr Abschlachten für Lampenöl (!) völlig gerechtfertigt findet, und Nicht-Weiße als „Wilde“ und „Heiden“ darstellt. Aber will ich das 2020 noch lesen? Nein.

Ja, „Moby Dick“ ist ein sprachgewaltiger Roman, der auch nach 170 Jahren noch seine Daseinsberechtigung hat. Aber er ist aus der Zeit gefallen (wie anders empfand ich da „Middlemarch“ von George Eliot!) Ich habe ihn gelesen und mir meine Meinung gebildet: Schaut Euch den Film an und lest lieber ein anderes Buch. Beispielsweise „The Street“ von Ann Petry, einer schwarzen Autorin, die Mitte der 40er ihren Roman veröffentlicht hat, der gerade eine Wiederentdeckung feiert. Aus aktuellem Anlass sind mir die Straßen von Harlem jedenfalls näher als Walfang-Boote aus Nantucket.

Gelaufen

80 Kilometer! Und damit zwar deutlich weniger als im April. Aber immerhin habe ich genauso häufig die Laufschuhe geschnürt, um den Kopf freizubekommen. Die Läufe waren nur kürzer. Wer mir noch einmal erzählt, er fühle sich „eingesperrt“, dem empfehle ich, durch den Park, das Feld, die Stadt oder den Fluss entlang zu joggen. Das ist mehr als unsere italienischen, französischen und spanischen Freunde in den letzten Monaten durften…

Gegessen

…wurde täglich frisch und abwechslungsreich. Unter Einhaltung aller Abstandsregeln haben wir unsere Freunde, die jetzt unsere Nachbarn sind, die letzten Wochen mitversorgt, solange sie noch auf ihre Küche warten mussten. Und ich habe selten abwechslungsreicher gekocht als in diesen Wochen! Unter anderem gab es

Dass da nicht mehr viel Zeit zum Bloggen blieb, versteht sich von selbst, oder? Immerhin reichte es für…

…wunderbar mit Hackfleisch gefüllte und Béchamel überbackene Cannelloni

Cannelloni mit Hackfleisch und Béchamel.

…regenbogenbuntes Japchae aus Korea

Japchae Rezept aus Korea.

…einen überraschend marinierten Tomatensalat nach Yotam Ottolenghi

Tomatensalat Ottolenghi.

…ein den Eisheiligen trotzendes Wiener Wirtshausgulasch

…und einen schokoladig-würzigen Rührkuchen nach dem Rezept meiner Mutter.

Rezept für Gewürzkuchen zum Muttertag.

Und außerdem konnte ich per Videokonferenz noch mit Winzerin Dr. Jana Hauck über Corona, Trockenheit und Laien im Weinberg schnacken:

Fünf Fragen an Winzerin Jana Hauck.

Und sonst so?

Bei all dem vielen hausgemachten Genuss haben wir uns unfassbar darüber gefreut, die lokale Gastronomie wieder besuchen zu dürfen. Neben einem Abend bei unserem „Hausgriechen“ Kavos in Wiesbaden, waren wir auch endlich mal wieder auf der anderen Rheinseite in Frank Buchholz‘ „Bootshaus“ am Mainzer Rheinufer. Buchholz und sein Team sind nicht nur entspannte und herzliche Gastgeber, die eine bodenständige aber qualitativ mehr als ordentliche Küche servieren. Man blickt vom Restaurant auch direkt auf die Mündung des Mains in den Rhein. Und welcher Ort könnte für eine Frankfurterin und einen Düsseldorfer romantischer sein? Da spielt das wirklich wunderbare Vitello Tonnato nur noch die zweite Geige. Also fast…

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Was bringt der Juni?

Im Juni werde ich den letzten Spargel und die ersten Kirschen genießen, mir Paella vom Grill schmecken lassen und seit Monaten die erste Geschäftsreise unternehmen. Ich bin gespannt, wie sich der Frankfurter Flughafen anfühlt unter den gegebenen Umständen… Außerdem bereite ich Euch ein paar kleine Überraschungen vor, weil im Juli die kleine Fressseite 10 Jahre alt wird. ZEHN JAHRE! Wenn das kein Grund zum Feiern ist. Also aufgepasst und schon mal vorgemerkt: der Sommer kann kommen!

Passt auf Euch auf und bleibt gesund!

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  1. Im Boothaus zeigen sie ganz klar, dass man Vitello Tonnato sogar fotografierbar servieren kann, ist ja nicht unwichtig in der heutigen Zeit 😀
    Und ja, das ist wirklich ein schönes Restaurant mit einer wunderbar entspannten Atmosphäre. Auch wenn mein Schwiegervater, der ja einer der Ruderer des ursprünglichen Bootshauses ist, es samt seiner alten Männerfreunde natürlich empörend findet, die Currywurst nach dem Ruderausflug jetzt in so einer Schickimickilocation essen zu müssen, in der das Glas Wein dann auf einmal € 5,00 kostet und dann trinken sie, die ganzen alten Anwälte, Richter und Ärzte, denen die Kohle bei jedem Schritt aus den Taschen fällt, aus Protest nur noch ein kleines Bier und den Wein zuhause. Kannste Dir nicht ausdenken! 😀 😀 😀

    Und danke für den Podcast-Tip, ich höre ja tatsächlich viel Podcasts in den letzten Monaten und verdammt, jetzt ist mir wieder aufgefallen, dass ich die Tips dazu in meinem Monatsrückblick mal wieder vergessen habe. Jedenfalls, ich mag Podcasts, ich höre sie immer beim Autofahren und manchmal zum Einschlafen. Interessanterweise konnte ich mich auf Hörbücher noch nie gut konzentrieren, das war nie mein Medium, da wäre ich sogar beim Autofahren eingeschlafen, aber Podcasts fesseln mich sehr. Verrückt, oder?

    Hab einen wunderbaren Juni, liebe Julia, ich hoffe, unser nächster Kinoabend findet ohne den Rhein zwischen uns statt! Kuß übern Fluß!

    1. Julia Author says:

      Ja, so ist diese Generation wohl: sitzen satt im abbezahlten Eigenheim und jammern, wenn die Gurken 10 Cent teurer werden. „Was muss der Wirt so viel einnehmen? Wir hatten früher auch weniger.“

      Hörbücher sind für mich der blanke Horror. Dann lieber Podcasts oder – ich bin so ein Radio-Fan! – Radio-Reportagen und Beiträge z. B. aus der ARD Audiothek, eine unerschöpfliche Quelle.

      Ich würde mich freuen, eine der Mittsommer(!)-Abende mit einem realen Treffen zu verbringen! :-*

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