Der China-Klassiker: Hühnchen süß-sauer

Erinnerst Du Dich an China-Lokal-Besuche in den 80er Jahren? Die hießen gerne Rote Laterne, Große Mauer oder Goldener Drache. Zu besonderen Ereignissen traf sich die Familie zu Peking Ente, Kitsch-Deko und Folkloremusik. Dann kamen die Chinesen aus der Mode. Es wurde im Thai-Imbiss gewokt und alles in Kokossauce ertränkt, was nicht bei Drei auf dem Teller war. Die China-Restaurants fristeten ein tristes Dasein in leerstehenden Einkaufspassagen und Industriegebieten. Mit leichtem Gruseln denken wir heute an das Glutamat-Prickeln auf der Zunge, depressive Goldfische in ungepflegten Aquarien und Horror-Stories aus dem Gesundheitsamt.

Sehnsucht nach den 80ern

Mit dem Niedergang der chinesischen Restaurants ist leider auch die chinesische Küche etwas in den Hintergrund gerückt. Hawaii, Peru und Japan prägen die Geschmäcker in den Zehnerjahren. Einige Rezepte der echten chinesische Küche, die es so ja gar nicht gibt, sondern sich je nach Provinz (Szechuan, Kanton…) stark unterscheidet, findest Du mittlerweile hier im Blog: einfach in der Kategorie „Länderküche: China“ anklicken.

Hühnchen süß-sauer wie damals – nur besser!

Aber was, wenn Du gerne noch mal die guten 80er mit ihren grellbunten Farben, ihren High-Waist-Hosen und den riesigen Ohrringen auf der Zunge spüren willst? Passend zur aktuellen Mode, die Teenies wieder in karottenförmige Jeans und schulterfreie Oversize-Shirts stopft, habe ich den Klassiker Hühnchen süß-sauer zubereitet. Mit knackigem Gemüse, dem chinesischen Shaoxing-Wein und frischem Hühnchen guter Qualität ist die Nummer 34b von der laminierten, immer etwas klebrigen China-Speisekarte nämlich absolut köstlich!

Zutaten für Hühnchen süß-sauer für 2

  • 250 gr Hühnerfleisch ohne Haut, grob gewürfelt
  • 1 Karotte, in Scheiben oder Rauten geschnitten
  • 3 Frühlingszwiebeln, in 1-2 cm lange Stücke geschnitten
  • 1/2 Salatgurke, geschält, entkernt und in dicke Scheiben geschnitten
  • ein Ei
  • 1 EL Maisstärke
  • 6 EL Shaoxing-Wein (Asialaden)
  • 1-2 rote Vogelaugenchili, fein gehackt
  • 1/2 milde rote Peperoni, in Ringe geschnitten
  • 1 EL Ingwer-Knoblauch-Paste)
  • 1 EL Zucker
  • 1 TL Reisessig
  • 100 ml Pflanzenöl
  • 2 EL Tomatenmark
  • Salz

Zubehör: Wok, scharfes Messer, Brettchen, Schüssel zum Marinieren, kleine Schüssel für die Sauce Zubereitungszeit: mit etwas Hilfe ca. 30 min Dazu gibt es Reis!

Zubereitung:

Reis aufsetzen und nach Packungsangabe garen. Das Ei mit Salz und einem EL des Reisweins verkleppern. In einer Schüssel mit dem Hühnchenfleisch vermischen und zur Seite stellen. Zucker mit Essig, Salz, 5 EL Reiswein, 1 EL Speisestärke und 1 EL Wasser gründlich mischen. Den Wok erhitzen und das Pflanzenöl zufügen. Abgetropftes Hühnchen bei hoher Hitze anbraten, bis es goldbraun ist. Aus dem Wok nehmen und zur Seite stellen. Öl bis auf einen dünnen Film aus dem Wok gießen. Tomatenmark, Chili und Peperoni sowie Frühlingszwiebeln und Ingwer-Knoblauch-Paste kurz unter Rühren anbraten. Gurke und Möhre hinzufügen und ebenfalls kurz anbraten. Die Sauce dazugeben und alles aufkochen lassen, bis sie etwas eindickt. Das Fleisch wieder zugeben und noch mal heiß werden lassen. Zusammen mit dem Reis servieren.

Hausgemachte Köstlichkeit

Fertig ist ein köstliches Gericht, das nichts mit Schmuddelecken-China-Restaurants mehr zu tun hat, sondern scharf, süß, sauer und salzig auf der Zunge tanzen lässt. Guten Appetit!

Hühnchen süß-sauer

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  1. An die Nummer dieses Klassikers auf der Speisekarte beim Chinesen erinnere ich mich nicht mehr, wohl aber an das Restaurant! Es war in den 1970-ern das erste und einzige im Umkreis von bestimmt 50 km, ausgestattet mit all dem chinesischen Kitsch, der uns damals so faszinierte: eine völlig andere Welt. Es war in einem kleinen Dorf, weiss der Himmel, warum es die Chinesen gerade dorthin verschlagen hat. Jedenfalls sprach es sich schnell herum und das Lokal war immer gut besucht. Sehl, sehl fleundliches Pelsonal, das uns zu unserem Entzücken erst einmal die Verwendung von Essstäbchen beibrachte.
    Hühnchen süss-sauer ist und bleibt ein Klassiker!

    1. Julia Author says:

      Ja, Wahnsinn. Das ist ziemlich genau meine Erinnerung – und dann die Musik im Hintergrund. Aber irgendwie hat es uns das Gefühl von Exotik vermittelt. Heute, wo jeder schon überall war und auf Instagram gepostet hat, ist das nicht mehr ganz so ein kollektives Erlebnis. Aber ich mag diese Klassiker immer noch – vielleicht GERADE wegen der Kindheitserinnerungen.

  2. Was ich in asiatische Küche mag ist, dass man nie erwartet, welche Kombination das Gericht hat. Zucker mit dem Reis ist sehr lecker.

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