Nachdem meine Kollegin und echtes Münchner Kindl Andrea am Wochenende ihre erste Frankfurter Grie Soß gegessen und anscheinend Gefallen daran gefunden hat, war das gleich die Inspiration für den heutigen Blog-Beitrag. Als Frankforter Määdsche ist das Gericht ja quasi in meiner DNS verankert. Natürlich gibt es jede Menge Streitereien über die richtigen Kräuter, Mayonnaise oder keine, Ei oder nicht… Wenn man aber mal alle Ideologie beiseite lässt, bleibt ein wunderbar leichtes, frisches Gericht, das sich neben den Klassikern Bratkartoffeln, halbe Eier oder Tafelspitz auch super eignet zu Baked Potatoes, Grillfleisch oder Spargel (nächste Saison dann wieder). Es schmeckt einfach nach Frühling (die Saison beginnt spätestens an Ostern) und kann bis in den Herbst hinein gegessen werden.
Natürlich hat jede Familie ihr eigenes Rezept und NATÜRLICH ist das meiner Familie das einzig wahre ;-) Aber im Ernst: Damit konnte ich schon Rheinländer, Mac-Poms, Sachsen und Bayern überzeugen. Also ganz so verkehrt ist sie dann wohl nicht.
Zutaten für 2 Personen (nach Oma Marga, verfeinert durch Mama Gerlinde, gehegt und gepflegt und für gut befunden von Julia):
2 hartgekochte Eier (bei mehr Personen: Immer 1 Ei weniger als Leute)
Je ein Bund Petersilie, Schnittlauch, Kerbel, Pimpinelle
Einige Blätter Sauerampfer, Borretsch
1 Becher Joghurt (lieber etwas mehr kaufen u. je nach Konsistenz zugeben)
1 Becher Saure Sahne
stinknormaler Essig, einfaches Pflanzenöl, 1 EL mittelscharfer Senf, Salz, Pfeffer
Bei der Zubereitung tut man sich am Leichtesten mit einem Pürierstab. Puristen hacken die Kräuter, aber das muss nicht sein. Also: Kräuter von den Stängeln zupfen, grob zerkleinern. Zusammen mit den Eiern, Senf und Gewürzen pürieren. Die Masse mit Saure Sahne und Joghurt vermengen, bis die gewünschte Konsistenz entsteht. Die Grie Soß sollte breiig sein, keinesfalls flüssig oder fest - und ein schönes Grün haben. Mindestens 30 Minuten ziehen lassen. Dann nochmal abschmecken, ggf. nachwürzen. Fertig.
Die Kräuter stellen einen außerhalb Frankfurts manchmal vor eine Herausforderung. Aber selbst dort gibt es die fertigen Packungen. Davon unbedingt die Finger lassen, weil meist krause Petersilie in Massen drin ist und von den anderen Kräutern nur Spuren. Ich pflanze sie mittlerweile in Balkonkästen an, wobei die Kräuter sich leider nicht so schnell erholen wie wir Grie Soß essen
Auf gut sortierten Märkten bekommt man die Kräuter in der Regel aber auch. Oder man bestellt sie beim Gemüsehändler vor.
Dazu passen klassischerweise eben Tafelspitz und Salzkartoffeln, Bratkartoffeln mit 2 halben Eiern oder Schnitzel. Wir essen sie aber auch als Dip zu Rohkost, Grill- oder Ofenkartoffeln, Grillfleisch usw.
Ich hatte ja versprochen, nicht ideologisch zu werden. Aber Dill gehört wirklich niemals und unter keinen Umständen in die Grie S0ß! Sonst zieht Euch meine Oma die Ohren lang…
Und wer sie nicht selber machen mag: Die beste gibt’s im “Rad” in Seckbach (dörflicher Frankfurter Stadteil) und beim “Wagner” in Sachsenhausen.
PS: Fast hätte ich die Getränke vergessen! Natürlich ist Äppelwoi der Klassiker - kann aber bei ungeübten oder nicht-hessischen Gastessern schon mal zu Turbulenzen führen mit all den frischen Kräutern. Deshalb empfehlen sich auch ein Sauvignon Blanc oder ein Grüner Veltliner.
21.7.2010 bei 21:41
Danke nochmal für das Rezept! Ach ja, und der Zimmermann setzt dem Ganzen natürlich noch das Krönchen auf! Als “Hessin ehrenhalber” muss ich das jetzt bald nachkochen. Und wenn ich das nächste Mal in Frankfurt bin, werde ich dem Wagner in Sachsenhausen mal einen Besuch abstatten. Also: Es gilt die “Ehren-Hessen-Würde” zu verteidigen! Deswegen ran an die Kräuter!