Salzburg: So viel mehr als Mozartkugeln und Festspiele (enthält Werbung!)

Kann man sich in eine Stadt schockverlieben? Ja, in Salzburg geht das innerhalb von Sekunden, wie wir Anfang Oktober erfahren haben. Das lag aber ganz sicher nicht zuletzt an unserer Fremdenführerin und Bloggerin Claudia. Bei ihr hatten wir 48 Stunden Salzburg gewonnen – mit Tipps, Einblicken und Geschichten, die man eben nur findet, wenn man mit Einheimischen unterwegs ist. Und Claudia ist wirklich die beste Botschafterin ihrer Heimatstadt. Mit so viel Liebe, Engagement und Gastfreundschaft kann man sich nur verlieben – in die Stadt und ihre Einwohner!

Die Liebe zu Salzburg geht (auch) durch den Magen.

Die Verlosung eines Wochenendes in ihrer Heimatstadt hatte für Claudia natürlich noch einen ganz besonderen Grund, den alle kennen, die ihrem primären Blog Geschmeidige Köstlichkeiten folgen: Seit einer Krebserkrankung ist unsere Lieblingssalzburgerin stark eingeschränkt, wenn es ums Essen geht. Der Name des Blogs verrät es schon: Schwer zu kauende, stärkehaltige oder feste Nahrungsmittel können leider nicht mehr auf den Tisch kommen. Gut, dass Claudia nicht nur kulinarisch sehr kreativ ist, sondern auch keine Scheu hat, Restaurants auf ihre besondere Anforderung hinzuweisen. So gibt es dankenswerterweise einige Küchenchefs, die sich gerne an ihre Gäste anpassen und Rücksicht nehmen auf Schluck- und Kaubeschwerden. Einige dieser Küchenchefs durften wir an unserem Salzburg-Wochenende kennenlernen! Was für eine schöne Idee, auf ein ernstes Thema aufmerksam zu machen und die Gäste auch noch rundherum zu verwöhnen!

Darüber, wie heftig so eine Einschränkung das Leben verändert und wie Claudia nicht nur ihren Lebensmut behalten hat, sondern sich heute auch für andere engagiert, konnten wir viel sprechen. Dabei habe ich immer versucht, mich an mein halbes Dutzend Kiefer-OPs zu erinnern und wie öde mir bereits nach drei Tagen Babybrei und Joghurt oder Suppe vorkamen. Bewundernswert, mit wie viel Kreativität und Humor Claudia mit ihrer Disposition umgeht. Chapeau, meine Liebe!

Überhaupt stand das Kulinarische im Fokus unserer zwei Salzburger Tage. Denn bei insgesamt 30.000 Schritten, die wir zurücklegten, mussten wir ja auch mal wieder Kraft tanken. Und dafür bietet Salzburg an jeder Ecke vielfach (köstliche) Gelegenheit! (Das gilt nicht nur für Mozartkugel-Fans wie mich!)

Viele weitere Bilder findest Du übrigens in Claudias Beitrag, der mich sehr gerührt hat (schau doch mal hier rein) sowie auf meinem Instagram-Account.

Salzburg – das ist auch Fischsuppe und Seenlandschaft

Die erste Überraschung kam schon gleich zu Beginn unseres Besuchs: Claudia zeigt uns ihren Lieblings-Fischhändler, die Bio-Fischzucht Krieg, auf dem Markt an der Kollegienkirche. Der bEdW, der früher mal viel beim Angeln war, bekam sich gar nicht mehr ein beim Anblick der wunderschönen Saiblinge und Forellen aus heimischen Gewässern. Da war es kein Wunder, dass die dampfende, würzige Fischsuppe ein Hochgenuss war:

Salzburg Fischzucht Krieger Biofisch Fischsuppe

Wer hätte gedacht, dass wir mit Fisch in unser Salzburg-Wochenende starten? Der kalte Wind blies uns zwar buchstäblich die Suppe vom Löffel. Aber wir haben einfach ein bissl schneller gegessen und konnten so gestärkt die Sehenswürdigkeiten der Stadt erbummeln – immer unter fachkundiger und charmanter Begleitung unserer Stadtführerin.

Salzburg Kollegienkirche Detail
Detail am Portal der Kollegienkirche

In romantische Herbststimmung versetzte uns am Nachmittag ein Ausflug an den Wolfgangsee, Kindern der 80er noch gut bekannt als jahrzehntelanges Feriendomizil von Altkanzler Kohl. Und als Kulisse unzähliger Heimatfilm-Schmonzetten. Dass wir unseren Besuch auf ein Herbstwochenende gelegt hatten, erwies sich als großes Glück. Die dichten Wälder, die bis ans Ufer reichen, leuchteten in allen Herbstfarben. Die dichten Wolken spiegelten sich im Wasser, das zwischen Farben wie Quecksilber, Steingrau, Schiefer und Zinn hin und her wechselte. Und wir waren mehr oder weniger alleine im Örtchen St. Wolfgang und der Pfarrkirche unterwegs – absolut unmöglich in den Sommermonaten! Nur ein paar versprengte Asiaten und Amerikaner auf der Suche nach Kulissen aus „The Sound of Music“ kreuzten immer mal unseren Weg. Der Film war während unseres Wochenendes irgendwann eh eine Art Running Gag...

Salzburg Wolfgangsee Ausflug Bootsfahrt

Als kleine Reminiszenz an die Touri-Wagenladungen, die hier in der Saison ausgekippt werden, kehrten wir NATÜRLICH im Weißen Rössl zu einem Peter-Alexander-Gedächtnis-Käffchen ein. Der Blick auf den wolkenverhangenen See entschädigte für die etwas bizarre Atmosphäre (wer, bitteschön, kann den ganzen Tag lang Operettenmusik ertragen?!).

Rinderbäckchen galore und selige Träume

Natürlich machen Schiffahrten hungrig! Im „ältesten Restaurant der Welt“, dem St.-Peter-Stiftskulinarium, dessen Historie bis 803 (!) zurückreicht, wurden wir mit herbstlicher Paprikasuppe, butterzarten Rinderbäckchen und einer Birne-Helene-Variation verwöhnt. Dazu der – wie allerorten – auffallend fürsorgliche, zuvorkommende Service. Wahrscheinlich ist man als Deutscher schon dermaßen versaut von der Unfreundlichkeit unserer Landsleute, dass man immer im Ausland heiße Tränen heulen mag, sobald man höflich behandelt wird. Warum tun wir uns da so schwer? In Salzburg war aber auch wirklich JEDER sowas von freundlich. Ein herzliches Dankeschön deshalb mal an alle Salzburger, die wir getroffen haben: Ihr seids wundervoll!

Salzburg Sankt Peter Stiftskeller Restaurant Rinderbäckchen
Rinderbäckchen mit glasierten Möhrchen und Röstzwiebeln auf Püree

Unser Salzburg-Tipp für Verliebte: Die schönste Roof-Top-Bar findet Ihr im Crown Plaza mit herrlichem Blick über die beleuchtete Stadt. Eine tolle Location für einen Aperitif oder Digestiv.

Wer so viel herumläuft und für Büro-Tiere ungewöhnlich viel Sauerstoff atmet (gute Alpenluft!), der darf auch tief und fest schlafen. Begeistert waren wir von unserem kuscheligen Zimmer im Hotel Villa Carlton. Superfreundlich (eh klar!), individuell, zentral gelegen und mit einer köstlichen Frühstücksauswahl. Wer die Stadt zu Fuß erkunden will, ist hier richtig.

Salzburg Hotel Villa Carlton Zimmer
Wenn man nur noch ins Bett kippt… Unser gemütliches Zimmer in der Villa Carlton!

Salzburg kann auch modern!

Ich persönlich kann mich ja nicht satt sehen an historischen Altstädten – vielleicht lebe ich deshalb selber mitten in einer. Aber nach 24 Stunden Zuckerguß, Schnörkel, Heimatfilm-Kulisse und Historie hatte Claudia die perfekte Idee für uns: ein Besuch im Museum der Moderne auf dem Mönchsberg. Hierhier kommt man mit einem Aufzug (wie geil ist DAS denn, bitte?). Die klaren Linien und Materialien wie Beton und Glas taten erstaunlich gut nach all den mittelalterlichen bis barocken Gassen und Gebäuden.

Salzburg Museum der Moderne Claudiaontour Germanabendbrot

Eine wirkliche Entdeckung war aber die noch bis zum 5. November laufende Ausstellung mit Installationen des südafrikanischen Video-Künstlers William Kentridge. Vermutlich wären wir selbst nie auf die Idee gekommen, diesen Abstecher zu machen. Aber was für ein Gewinn! DbEdW und ich waren völlig fasziniert von Kentridges Installationen wie „More Sweetly Play The Dance“ (Link zum Video auf YouTube). Eine hypnotische Wirkung, die uns noch Tage danach beschäftigt hat, uns zum Nachdenken, Reflektieren, Interpretieren anregte.

Wer noch diesen Monat in Salzburg ist, bitte, bitte hingehen: Museum der Moderne auf dem Mönchsberg zeigt noch bis 5. November 2017 William Kentridge – Thick Time. Installationen und Inszenierungen.

Der Blick vom Mönchsberg auf die Festung ist natürlich ebenso herzergreifend schön:

Salzburg Ausblick Festung

Aber auch mitten in der Stadt finden sich immer wieder moderne Skulpturen, Atelierräume, Galerien. Überhaupt habe ich selten auf so kleinem Raum so viel Kultur gesehen – alt, neu, modern, experimentell, traditionell. Unsere 48 Stunden haben uns jedenfalls angefixt, um noch einmal herzukommen. Haben wir es doch beispielsweisen icht in den Dom geschafft. Und eine echte „Bosna“ will auch noch gegessen werden!

Leichte Zwischenmahlzeit: Spanferkel!

Solltest Du eine Diät planen, reise bitte NICHT nach Salzburg. Die Verlockungen sind zu groß! Als wir „auf eine Kleinigkeit“ in die malerische Goldgasse einbogen, um einen kleinen Snack im  Restaurant Goldgasse zu uns zu nehmen, kitzelte uns der Duft eines gegrillten Spanferkels in der Nase. Wunderbar flexibel und herzlich wie all unsere Gastgeber eben waren, gab’s dann halt knusprig-saftiges Spanferkel mit Biersauce, Krautsalat und Breznknödel zu Mittag. Unser Frühstück war ja schon 2 Stunden her!! Und wer jetzt glaubt, wir wären fies, dass wir in Claudias Beisein Spanferkel essen, kennt die österreichischen Küchenchefs schlecht. Goldgassen-Gastgeber Phillipe Sommersperger servierte köstlich-geschmeidigen Spanferkelbauch mit viel Dunkelbiersauce, so dass auch Claudia in den Genuss des wunderbaren Bratens kam.

Salzburg Restaurant Goldgasse

Unser Salzburg-Tipp für kleine (und große) Gäste: Im Panorama-Museum kann man sich in der Betrachtung der historischen Stadtansicht verlieren. Wie ein 200 Jahre altes Wimmelbild finden sich Häuser, Menschen, Szenen im 360°-Blick. Nächstes Mal nehme ich mir Hocker und Fernglas mit und schaue mir stundenlang die unzähligen Figuren genauer an. Das geht auch mal an einem Regentag!

Das Panorama aus dem Museum mit dem „echten Leben“ kann vergleichen, wer mit der Bahn oder zu Fuß die Festung erklimmt und von dort den Blick über Häuser, Wiesen, Berge und die Salzach gleiten lässt. Was hat sich in 200 Jahren geändert? Was erkennt man wieder? Und warum ist eine Bedienungen in der Burgschänke so wahnsinnig freundlich, obwohl sie ein albernes Burgknappen-Kostüm tragen muss?

Salzburg Engel Mirabellpalast
Fragen über Fragen… Die stellt sich auch der berühmte Putto im Mirabellpalast, den ich ständig Marillenpalast nennen will. Mei, die Österreicher mit ihren Obstnamen!

Wieder unten gibt’s – nein, nichts zu essen! – sondern einen wunderbaren Bummel durch die historische Steingasse. Hier erwartet man ständig, dass hinter der nächsten Biegung eine Kutsche hervorprescht oder zumindest jemand mit Dreispitz und Spangenschuhen an einem vorbeihastet. Hübsch anzuschauen sind aber nicht nur die alten Häuschen, sondern auch die vielen kleinen Kneipen, Hofeingänge, Streetart und Geschäfte sowie das älteste Bordell Salzburgs.

Haupteinfallstraße aus alten Zeiten: die Steingasse

Schnell noch die ECHTEN Mozartkugeln bei der Konditorei Fürst shoppen, die es bei uns ja leider nicht gibt und die so himmelweit köstlicher sind als ihre rot-goldenen Brüder. Und auf zum Abendessen in Claudias Geheimtipp: den Gasthof Auerhahn.

Seit Jahrzehnten feiert Claudias Familie hier ihre Feste. Dabei wirkt das Haus nähe des Güterbahnhofs auf den ersten Blick unspektakulär. Aber Interieur, Gastfreundschaft (eh klar!) und was aus der Küche kommt, begeistern uns wieder einmal. Hausgebeizter Lachs und geräucherter Saibling, danach ein knusprig-saftiges Backhendl mit Erdäpfel-Vogerlsalat und dazu Grüner Veltliner. Wir sind im rot-weiß-roten Himmel und platzen fast. Begeistert sind wir davon, wie kreativ die Salzburger Köche mit ihrer Tradition umgehen, Wert auf Regionales legen und trotzdem immer wieder feine Varianten bekannter Klassiker auf den Teller bringen. Was für ein Eldorado für Liebhaber guter Küche!

Vor dem obligatorischen Umfallen ins Hotelbett gab’s aber noch eine klitzekleine Mozartkugel zum Dessert. *kicher*

Gasthof Auerhahn Salzburg

Abschied und ein Versprechen:

Wie kann einem eine Stadt so ans Herz wachsen in zwei Tagen? Das lässt sich ganz einfach beantworten: Wir hatten einfach die herzlichste aller denkbaren Gastgeberinnen. Neben all den Sehenswürdigkeiten und kulinarischen Genüssen haben wir so viel geratscht – übers Bloggen, die Politik, die zurückliegenden und anstehenden Wahlen, das Versicherungssystem in Österreich (!), Kindererziehung dies- und jenseits der Alpen (!!)… – und gelacht, dass wir uns versprochen haben, uns wiederzusehen. Ob in Wiesbaden, Salzburg oder sonstwo: Liebe Claudia, Du hast Dich in unsere Herzen gepflanzt. Da kommst Du jetzt leider nicht mehr raus!

 

Servus und Baba, Salzburg! Wir kommen wieder!

 

Ein herzliches Dankeschön an unsere wunderbare Gastgeberin Claudia sowie die Partner, die uns dieses Wochenende ermöglicht haben:

Salzburg Info

Panorama Tours

Bio Fischzucht Krieg

St. Peter Stiftskulinarium

Gasthof Goldgasse

Restaurant Auerhahn

Hotel Villa Carlton

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  1. Liebe Julia, lieber Markus, ich kann es immer wieder nur wiederholen, ich bedanke mich für dieses wunderschöne Wochenende, ihr ward grandiose Gäste. Hoffentlich bis bald, Claudia

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