Düsseldorf, mon amour

Wenn man einen Rheinländer heiratet, bekommt man ganz viele tolle Dinge gleich mit dazu – allen voran viele weitere wunderbare Rheinländer, die einen feste ins Herz schließen und ganz besonders offen, unvoreingenommen und liebenswert sind. Außerdem verinnerlicht man ganz schnell den rheinischen Dreisatz („Et kütt wie et kütt. Et is wie et is. Un: Et hett noch immer joot jejange“), der eigentlich auf alle Lebenslagen passt.

Ich habe mich jedenfalls gleich bei meinem allerersten Besuch in Mostert und Altbier Düsseldorf verliebt. 

Das liegt nicht nur an den knuffigen Düsseldorfern (sind sie eigentlich fast durchgehend, auch wenn der Köbes im Füchschen am Donnerstagabend einen gaaaaanz schlechten Tag hatte!), sondern auch an wirklich tollen Shopping-Möglichkeiten, lecker Essens-Locations und allem voran dem Rhein!

Auch wenn ich meine Jogging-Runden an der Isar über alles liebe und mein Herz jedesmal hüpft, wenn ich den Main überquere, strahlt der Rhein für mich eine Erhabenheit aus, die ich so nur noch am Nil empfunden habe. (Neben letzterem gehören zu meinen Fluß-Big-Five noch Amazonas, Ganges, Mekong und Mississippi – auf allen will ich irgendwann mal gereist sein. We’ll see…) Vielleicht liegt es am Sternzeichen Fische, dass mich Wasser magisch anzieht. Aber ich bin auch fest davon überzeugt, dass ein großer Fluß oder die Nähe zum Meer (wie etwa in Hamburg) den Charakter einer Stadt maßgeblich beeinflussen. Flüsse und Meer bringen Menschen seit Jahrtausenden in die weite Welt und wieder nach Hause, beliefern entlegene Ecken mit Waren, geben Fische und fruchtbare Ufer, bringen über Reisende, die von Bord gehen, Neuigkeiten aus aller Welt.

Städte an Flüssen und Meeren kommen mir immer etwas weltoffener, fremdenfreundlicher vor als andere. Dass der Rhein immer eine der wichtigsten Handelsstraßen in Europa war, merkt man Düsseldorf heute noch an. Aber bevor ich weiter ins Schwärmen darüber gerate, dass man Flüssen wirklich zuhören kann, wenn man sich mal die Zeit und Ruhe dazu nimmt, und ich als Kind schon gerne mit Tom, Huck und Jim auf einem Floß den Mississippi heruntergetrieben wäre, gibt’s jetzt endlich ein paar Einkaufs- und Ausgehtipps für Düsseldorf!

Häuserzeile am Rathaus: Die Nähe zu Holland ist kaum zu übersehen.

Wenn wir mal die Brauhäuser außer Acht lassen (Ich höre schon den bEdW fragen: „Warum sollte man das tun?“. Jedenfalls ist meine derzeitige Favoriten-Reihenfolge 3. Uerige, 2. Füchschen, 1. Schuhmacher – die kann sich aber ständig ändern), findet man innerhalb der Altstadt ’ne Menge leckerer Läden und auch den wunderbaren Carlsplatz, der mich immer ein bisschen an meinen heißgeliebten Viktualienmarkt erinnert. Im Gegensatz zu München gibt’s in D’dorf aber auf’m Markt die beste Currywurst der Welt, und zwar am Stand „Berliner Ecke“ direkt gegenüber von der Konditorei Bittner.

Lecker Currywurst gibt es auch im Curries. Zum Beispiel im Hafen oder in der Moltkestraße 115, wo man besonders gut hingehen kann, wenn man nach einem Besuch im Franzosen gegenüber wegen überteuerter Winzportionen noch Hunger hat 🙂 (Draußen vorm Lokal die Gäste hungern zu lassen, während gegenüber weltbeste Currywürste und Pommes serviert werden, sollte durch die Genfer Konventionen verboten werden!) Allerdings habe ich erfahren, dass der Franzose jetzt einen wunderbaren Nachfolger hat. Der ist auf Wein und Käse spezialisiert und soll großartig sein. Wird unbedingt bald getestet! Überhaupt ist die Moltkestraße nach vertrauenswürdigen Aussagen mittlerweile ein echtes Gastro-Eldorado. Toll frühstücken kann man beispielsweise im GUS und „de Eck eröm“ in der Tussmannstraße gibt es eines der besten Steakhäuser überhaupt.

Aber zurück zum Carlsplatz: Am Stand der „Kräuterhexe“ kaufe ich immer kandierten Ingwer, der hier so lecker schmeckt wie nirgends sonst. Wenn die Vorräte all sind, bitte ich sogar mal die liebe Schwiegermutsch, mir ein Care-Paket zu schicken. Hier gibt’s aber auch sonst jede Menge exotischer Gewürze und den ABB-Mostert im Steingut-Töpfchen.

Um die Ecke ist die herrliche Bäckerei Hinkel, vor der jeden Tag die Käufer Schlange stehen, weil es die besten Brote und Brötchen der Stadt gibt. Die Auswahl ist gigantisch und der Duft von frischem Brot bis raus auf die Straße zu schnuppern.

Ein leckeres dunkel-würziges Ostfriesenbrot bringen wir uns immer mal von der Bäckerei Schlüter  in der Oststraße mit (unweit vom Schuhmacher-Brauhaus, das natürlich auch einen Besuch wert ist ;-)). Unbedingt früh da sein oder vorbestellen! (Also in der Bäckerei, nicht im Schuhmacher… wobei…)

Gut und reichlich frühstücken für einen überschaubaren Euro kann man im ersten Stock der Konditorei Heinemann gleich an der Kö in der Vereinsbank-Passage (Eingänge Kö und Blumenstraße). Wenn man die preisgekrönten Champagnertrüffel links liegen lässt, weil man sie zum Glück auch bei Ludwig Beck in München bekommt, erwartet einen ein schön trutschiges Café mit altgedienten Bedienungen und einem Blick auf viel Düsseldorf-blonde Damen in SUVs. (Ganz in der Nähe ist übrigens das „Checker’s“, wo Karl’s Cloooodia damals entdeckt wurde. Jaja, das Dorf an der Düssel…)

Im „Kabüffken“ in der Altstadt gegenüber vom Uerige gibt es nicht nur den berühmt-berüchtigen Kräuterlikör Killepitsch (der manchmal Leben retten kann! Ich denke da an eine Portion Rievkooche, die mich fast umgebracht hätte…), sondern in spätestens 3 Jahren auch Düsseldorfer Whiskey aus der Brauerei bzw. Brennerei vom Uerige. Der Whiskey wird BAAS heißen und muss jetzt erstmal in Ruhe reifen. Ich bin gespannt…

Einer von zahlreichen Sinnsprüchen im Uerige: Drenk e Gläske Bier dich flott, dat Finanzamt löpt nit fott.“

Und wenige Schritte weiter ist das unbedingte Muss für jeden Düsseldorf-Besuch: das Gewürzhaus mit Mostert vom Faß!

Ein bisschen raus aus der Altstadt in der Achenbachstraße 131 liegt die nette Veedelskneipe „Waschbütt“, eine Entdeckung und jetzt das Wohnzimmer unserer Freundin Bettina. Sehr studentisches Publikum, einfach eingerichtet aber sehr witzig und originell. Der Hauscocktail „Schleudergang“ ist eine fruchtig-frische Überraschung. Kleinigkeiten wie Hot Dogs für 2,50 Euro, eine Handvoll Oliven oder ’ne Frikadelle für 1,70 Euro werden auch serviert, Fußball gibt’s live und den Nebenraum kann man für Feierlichkeiten mieten. Ansonsten spielt sich alles auf gemütlichen 40 Quadratmetern ab. Nach einer Stunde in der zwar witzigen aber völlig überfüllten Sennhütte (Rethelstraße!), war die Waschbütt eine entspannte und chillige Wohlfühl-Alternative, um den Abend ausklingen zu lassen.

Das Askitis im Zoo-Viertel ist ein gehobener Stadtteil-Grieche mit herrlichen Vorspeisen, frischen Fisch- und Lammgerichten und einer beeindruckenden Auswahl an griechischen Weinen, die hier ja immer noch ein stiefmütterliches Dasein führen. Wir hatten eine große Auswahl bunt gemischter Vorspeisen, von denen der griechische Brotsalat das absolute Highlight war. Aber auch die Garnelen in pikanter Tomatensauce, gebratenes Chalumi, Oktopus-Salat und und und waren einfach phantastisch! Unbedingt reservieren, dann steht dem Genuss nichts mehr im Wege!

Ebenfalls im Zoo-Viertel liegt eine ganz besondere Gastro-Perle: Das Tafelspitz. Für Hochzeitstage oder runde Geburtstage ist das Restaurant, das mittlerweile einen Stern hat, wirklich eine tolle Wahl. Mit nur 28 Sitzplätzen kann man sich sicher sein, als Gast wirklich im Mittelpunkt des unaufgeregten und angenehmen Services zu stehen. Man hat die Wahl zwischen zwei Menüs inklusive Weinbegleitung, die man aber auch untereinander variieren oder austauschen kann. Im Tafelspitz steht eben die Lust am Essen im Vordergrund und nicht sklavisches Befolgen der Menüvorschläge. Die Preise zwischen etwa 70 und 120 Euro pro Menü (inkl. 3 Weinen) sind natürlich äußerst gehoben – für die Speisen aus regionalen und saisonalen Produkten mit dem besonderen Etwas aber durchaus angemessen. 

Im Stadtteil Grafenberg liegt eine schöne Alternative zu den anonymen Buchkaufhäusern in der Innenstadt: Die Buchhandlung Schulz & Schultz in der Geibelstraße 76 liegt kurz vorm Staufenplatz und ist mit den Straßenbahnen 703/709/7012 und 713 bestens zu erreichen. Neben Büchern bieten die Inhaberinnen auch ausgewählte Weine und Delikatessen an. Eine persönliche Beratung durch Verena und Eva, die mit Herz und Seele Buchhänderlinnen (und keine Buchverkäuferinnen!) sind, gibt’s natürlich gleich dazu. Lesungen, Versandservice und beispielsweise auch eine lange Lesenacht (am 3. November) für all jene, die schon mal in einer Buchhandlung eingeschlossen werden wollten, runden das Angebot dieser Lieblingsbuchhandlung ab, die ich am liebsten mit nach München nehmen würde!

So, und wer jetzt immer noch glaubt, Düsseldorf sei die kleinere Rivalin der großen Domstadt, sollte noch wissen, dass Willi Millowitsch in Düsseldorf geboren wurde 😀 Das beweist eine Plakette am Brauhaus Uerige:

Ätsch!

Oder wie hieß es in der Stunksitzung (Alternative zum völlig bekloppten Karneval) mal: „Der Rheinländer stellt sich auch an Fronleichnam an den Straßenrand – Hauptsach‘ de Zoch kütt!“

Fensterbeschriftung im Haus des Karnevals

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  1. aha rote beete, igitt, egitt, über jahrzehnte. jetzt kommt die erkenntnis zum: ein durchaus leckeres gemüse. die mutti freut’s. ist für das weihnachtsmenue schon eingeplant.
    liebe grüsse auch vom z.zt. hochfliegenden eintracht-adler

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