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30.8.2010 von Julia.
Ich halte mich ja für einen ziemlich unkomplizierten Esser. Selbst Lebensmitteln, die ich nicht so gerne mag (Blumenkohl!), versuche ich mich immer mal wieder anzunähern. Das funktioniert am besten, wenn man sie mal zubereitet und herausfindet, ob sie nicht doch irgendwie schmecken können. So ein Lebensmittel ist für mich Kürbis (uargh!). Ich mag ihn einfach nicht. Aber nachdem neulich mein neuer Lieblings-TV-Koch Nigel Slater Butternut-Kürbis zubereitet hat, habe ich dummerweise laut ausgesprochen: “Ich glaube, an Kürbis sollte ich mich auch mal heranwagen!”. Was den bEdW gleich dazu veranlasst hat, einen Butternut-Kürbis mitzubringen (vielleicht auch aus Rache, weil ER Nigel Slater nämlich nicht mag…)
Nachdem wir jetzt also schon den Paneer im Haus hatten, wurde also ein Kürbis-Kartoffel-Paneer-Curry angesetzt. Ich dachte, dass mit meinen Lieblingsgewürzen wohl auch der Kürbis schon irgendwie erträglich wäre. Naja…
Zutaten:
1/2 Butternut-Kürbis (wahrscheinlich funktioniert auch Hokkaido)
4 Kartoffeln
2 Zwiebeln
2 Knoblauchzehen
1 Stück Ingwer gehackt
300 ml Gemüsebrühe
100 ml Kokosnussmilch
2 EL Madras-Curry
1 Lorbeerblatt
Zitronensaft
Cumin, Koriander, Zimt, getrocknete Chilischote, 1 Gewürznelke
So wird’s gemacht:
Die Gewürze (außer das Madras-Curry) in einer Pfanne anrösten und in der Küchenmaschine zermahlen.
Kartoffeln schälen und in kleine Stücke schneiden. Kürbis halbieren, schälen, Kerne und faseriges Zeug in der Mitte entfernen und in etwas größere Stücke schneiden (damit der Kürbis nicht matscht, bevor die Kartoffeln gar sind!). Zwiebeln, Ingwer, Knobi schälen und fein hacken.
Gehackte Zwiebeln, Knobi, Ingwer in Öl mit einem Lorberblatt anschwitzen, Gewürze und Currypulver dazugeben und mit anrösten.
Kartoffeln und Kürbis sowie die Gemüsebrühe dazugeben und bei geschlossenem Deckel rund 20 Minuten bei kleiner Hitze köcheln lassen (immer mal schauen, ob Kartoffeln und Kürbis schon gar sind oder noch Zeit brauchen. Unser Kürbis war noch nicht ganz reif und brauchte etwas länger.)
Mit ordentlich Salz (falls die Gemüsebrühe nicht schon sehr salzig ist!), Zitronensaft und ggf. noch etwas Currypulver abschmecken. Paneer in Würfeln sowie die Kokosmilch unterheben und bei kleiner Hitze noch heiß werden lassen (nicht mehr zu viel rühren, sonst zerbröselt der Paneer).
Mit Reis oder Naan servieren. Ich habe noch Hot-Mango-Pickles (von Rajah - gibt es im Asia-Laden) dazu gereicht, damit man nicht so viel vom Kürbis schmeckt.
Denn: Der Kürbis und ich werden keine Freunde. Das Curry war lecker - solange ich Kartoffeln und Paneer im Mund hatte. Aber das Süßliche vom Kürbis ist einfach nicht meins. Ich werde das Gericht noch mal mit Karotten oder nur mit Kartoffeln ausprobieren, weil es wirklich lecker war. Aber der Kürbis erinnert mich einfach immer an Alete-Gläschen.
PS: Mit der zweiten Hälfte des Butternut-Kürbis hat der bEdW eine Kürbiscrémesuppe gemacht. Dazu dann bald mehr. (Ich habe sie noch nicht probiert und bin gespannt, ob ich meine Aversion irgendwann überwinden kann.).
PPS: Das einzige Mal, dass ich Kürbis wirklich mochte, war im afghanischen Restaurant Chopan in der Elvirastraße. Der Kürbis wurde mir vom Chef als Vorspeise empfohlen. Und als ich mich mit Händen und Füßen gewehrt habe, meinte er: “Ok, ein Deal: Sie probieren das. Und wenn es nicht schmeckt, bekommen Sie was anderes umsonst!”. Naja, da muss man ja schon mal über den Schatten springen. Und es war KÖSTLICH. Scharf und säuerlich mit einer ganz, ganz leichten Süße. Ich habe es nicht bereut, immer mal wieder auch ungeliebte Zutaten zu probieren. Aber es hat mir wohl nur deshalb so geschmeckt, weil das Gericht einfach so gut wie gar nicht nach Kürbis geschmeckt hat
Welche Lebensmittel mögt Ihr einfach gar nicht leiden? Und wie geht Ihr damit um? Oder wurdet Ihr auch schon mal bekehrt?
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29.8.2010 von Julia.
Nachdem wir neulich in “Einfach indisch!” gesehen haben, wie einfach es ist, Paneer (also Frischkäse, der häufig in indischen Gerichten verwendet wird) herzustellen, haben wir uns jetzt endlich mal selbst rangetraut. Und es ist wahnsinnig einfach! (Übrigens: Den Rest der Kochsendung mit Anjum Anand kann man getrost vergessen. Hier wird sich meist mehr darum bemüht, ihre Lippenstiftfarbe toll ins Bild zu rücken, als um’s Essen. Vielleicht dann doch lieber auf ihre Kochbücher zurückgreifen. Aber das mit dem Paneer war eine Initialzündung!)
Ihr braucht total wenig:
1 Liter Vollmich
4 Löffel Wein-Branntweinessig
ein sauberes Küchentuch
Sieb, Schüssel, Küchenschnur, 2 Bretter, viele Kochbücher
So geht’s:

Die Milch zum Kochen bringen. Sobald sie aufwallt, den Wein-Branntweinessig mit dem Schneebesen einrühren und den Topf sofort von der Platte ziehen.
Jetzt beginnen sich “Käse” und Molke voneinander zu treffen. Die Molke sieht ein bisschen gelb-grün aus, während der weiße Käse flockt. Wenn das nicht gleich funktioniert, einfach den Topf noch mal auf die heiße Platte stellen und etwas rühren, bis sich beides voneinander trennt.
Jetzt die Masse in das mit einem sauberen Küchenhandtuch ausgekleidete Sieb schütten und eine halbe Minute unter fließendem kalten Wasser abspülen. Dadurch werden die letzten Reste Gerinnstoffe entfernt.

Jetzt das Tuch zusammennehmen, zudrehen und so viel Flüssigkeit wie möglich auspressen. Je fester Ihr jetzt dreht, desto fester wird der Käse nachher.

Dann das Tuch etwas lockern und mit Schnur zubinden.
Das Käsesäckchen etwas platt klopfen und zwischen 2 Bretter legen, damit weiter Flüssigkeit herausgepresst wird. Das obere Brett mit ordentlich schweren Kochbüchern beschweren und ca. eine Stunde warten.
Wenn Ihr ordentlich Flüssigkeit rausgepresst habt und die Bücher schön schwer waren, sieht der Käse nach einer guten Stunde so aus:
Wenn er eher etwas krümeliger sein soll, dann nicht so fest pressen. Oder - wenn er schön schnittfest sein soll - noch eine Stunde länger in der Bücherpresse lassen. Insgesamt erhält man aus einem Liter Milch so rund 150 gr. Käse.
Der Paneer passt natürlich klassischerweise in das Gericht (meine Leibspeise!) Palak Paneer - also Frischkäse mit Spinat.
Dazu den Paneer in Stücke schneiden und in Ghee leicht anbräunen. Beiseite stellen.
Frischen Blattspinat (600 gr oder 500 TK-Spinat) waschen und klein schneiden. 1 Zwiebel, 2 Knobi-Zehen und ein großes Stück Ingwer schälen und hacken. Alles in Öl anbraten und mit Koriander, Kurkuma, Cumin und Chilipulver würzen. Unter rühren etwas anbraten, Spinat dazu geben und rund 10 Minuten garen lassen. (Wer mag, kann das Ganze jetzt pürieren) Mit Salz und einer Prise Zucker abschmecken, 200 gr Joghurt unterheben (jetzt nicht mehr kochen lassen, sonst flockt es!) und die Paneer-Würfel dazugeben. Alles noch mal einige Minute heiß werden lassen.
Wer partout keinen Paneer selber machen mag (die Molke stinkt ein bisschen, aber die Herstellung ist wirklich kinderleicht), kann auch einfach schnittfesten, ungewürzten Frischkäse aus dem Supermarktregal oder Paneer aus dem Indien-Shop kaufen. In München führt beispielsweise das “Kohinoor” in der Adolf-Kolping-Straße 10 (Bahnhofsviertel) Paneer auch in kleinen Mengen im Kühlschrank (und leckere Samosas to go für den kleinen Hunger!).
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28.8.2010 von Julia.
Was machen Menschen, die besessen sind von Gewürzen, an regnerischen Tagen? Natürlich das Gewürzregal überarbeiten. Zumindest war das unsere heutige Beschäftigung. Angefangen hat es wie immer mit: “Ich glaube, wir brauchen dringend noch mehr Dosen für die Gewürze!” Und statt einfach blind loszurennen, haben wir erstmal geschaut, wo wir eventuell Gewürze “konsolidieren” oder umfüllen können. Gewürze sind nämlich in unserer Küche eigentlich überall: In Schränken, Regalen, Schubladen und so weiter. Weil man sie aber am besten vor Licht und Feuchtigkeit schützen und nicht einfach in Tütchen in der Schublade rumfliegen lassen sollte, wurde also umgeshiftet.
Schnell war klar, dass unser eines Gewürzregal nicht annähernd ausreichen würde. Also wurde gleich noch das Regal umgeräumt (womit man sich halt so beschäftigt, wenn es im August regnet und regnet). Vorhandene Gewürzdosen mussten gespült und umbeschriftet werden. Schraubgläser, die ich erst vor kurzem im “Bottles & Glashaus” in der Münchner Josephspitalstraße erstanden hatte, kamen endlich zum Einsatz und so weiter.
Jetzt ist endlich alles wieder unter Dach und Fach, Altes aussortiert, Neues hat seinen berechtigten Platz und insgesamt sind die gesammelten Gewürze übersichtlicher und schneller greifbar. Das ist ganz besonders wichtig, wenn man wie ich ständig mit 1000 Gewürzen kocht und Gewürzmischungen selber herstellt.
Bei so viel Überblick musste auch gleich eine neue Currymischung her: Madras Curry. Das zeichnet sich dadurch aus, dass es schärfer ist als das Ceylon Curry, das ich neulich schon mal vorgestellt hatte. Neben dem Eigenbedarf wollte ich auch ein Mitbringsel für unseren Kochstammtisch nächste Woche vorbereiten. (Dazu dann bald mehr).
Für Madras Currymischung braucht Ihr:
6 getrocknete Chilischoten (Kerne können entfernt werden, sonst ist es superscharf)
3 TL Koriandersamen
1 TL schwarze Senfsamen
2 TL Kreuzkümmelsamen
1 TL schwarze Pfefferkörner
1 TL Bockshornkleesamen
20 getrocknete Curryblätter
2 EL Kurkumapulver
Alle groben Gewürze in einer Küchenmaschine zerkleinern (der Bockshornkleesamen ist zu hart zum Mörsern. Das macht damit keinen Spaß) und abschließend mit dem Kurkuma vermischen. Hält sich in einer luftdicht verschlossenen Dose oder einem Schraubglas viele Wochen. Da gemahlene Gewürze aber ihr Aroma verlieren, sollte man nicht zu viel auf einmal zubereiten, sondern lieber wieder frisch ansetzen.
Das Rezept ist übrigens aus dem Kochbuch “Küchen der Welt. Indien” von Gräfe & Unzer, das es leider nur noch gebraucht gibt. Es war mein allererstes Indien-Kochbuch, das ich mir vor 15 Jahren (oh man!!) gekauft habe und das ein super Einstieg war.
Als nächstes müssten dringend mal die Schränke ausgewischt und die beiden großen Schubladen, in denen Töpfe und Pfannen rumfliegen, umsortiert und aufgeräumt werden. Aber der Herbst wird ja vermutlich ein langer in diesem Jahr…
Und was macht Ihr so an regnerischen Tagen in der Küche?
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27.8.2010 von Julia.
“Griechischer Abend?” - Das war die SMS, die ich nach einem sehr langen, sehr intensiven Tag vom bEdW bekam. Wie könnte man da anders drauf antworten als mit “Ja, klar!”?
Als ich dann endlich zu Hause war (man, war das schwül gestern!) gab es einen wunderbar frischen Salat Griechenland Style mit Eisbergsalat, Gurken, Tomaten, grünen Peperoni, Oliven, Feta, roten Zwiebeln und einem leckeren Dressing aus Zitronensaft, Olivenöl, einer Knoblauchzehe, Salz, Pfeffer, Teil einer lediglich pikanten Chilischote.
Dazu hatten wir wunderbar knuspri-würzige Keftedes - griechisch gewürzte Fleischbällchen.
Zutaten:
250 gr Hackfleisch
Ein verkleppertes Ei
20 gr Semmelbrösel
eine kleine gehackte Zwiebel
Petersilie und Minze - beides fein gehackt
Zitronensaft, Salz, Pfeffer, Salz
Mehl zu Bestäuben, Öl zum Anbraten und Zitrone zum Servieren
So geht’s:
Eine Mischung herstellen aus Ei, Semmelbrösel, Zwiebel, Hack, 2 EL Zitronensaft und den gehackten Kräuter. Mit Salz und PFeffer ordentlich würzen und zu mittelgroßen Fladen formen. In Mehl wenden (es sollte nicht zu viel hängen bleiben) und im Öl heiß anbraten. Das dauert 2-4 Minuten pro Seite und hängt von der Dicke der Fleischbällchen ab. Aus der Pfanne nehmen, auf Küchenpapier abtropfen lassen und mit Zitronenachteln servieren. (Weil ich so Hunger hatte, habe ich nicht viel Zeit auf ein ansprechendes Foto verwendet…hihi…Aber lecker war’s!)
Aus Zeitgründen gab es kein hausgemachtes, sondern ein gekauftes Tsatsiki. Das schmeckte aber ganz herrlich zu den Keftedes und sollte unbedingt auf dem Tisch stehen. Wenn man es nicht selber machen kann, ist das von Apostels (Edeka und Rewe) oder von Gut&Günstig (Edeka) ein vertretbarer Convenience-Ersatz (wobei das von Apostels weniger Zusatzstoffe hat und deshalb mein Favourite ist).
Eigentlich war schon ein griechischer Rotwein kalt gelegt. Aber bei dem Wetter war uns das immer noch zu heftig. Deswegen gab es ein Glas eines fruchtigen spanischen Rosés, der (wie ich gerade gelesen habe) zu den besten Rosès weltweit gehört. Aha. Mir hat er ausgezeichnet geschmeckt. Aber unter den Top3? Für einen Preis von 5,50 Euro aber durchaus mal einen Test wert. Gut gekühlt war er jedenfalls perfekt zu unserem südländischen Essen und ein angenehmer Abschluss eines schwül-heißen Tages.
Wie habt Ihr zuletzt einen heftigen Tag ausklingen lassen? Kann ein leckeres Essen die Batterien wieder auffüllen? Oder macht Ihr lieber Sport, geht ins Kino oder führt ein langes Telefonat mit der besten Freundin?
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25.8.2010 von Julia.
Die Gräfe-und-Unzer-Reihe “Küche & Kultur” ist im Kochbuch-Regal schon mit Indien (Überraschung!!) und Vietnam vertreten. Beides sehr hochwertige, wunderschön fotografierte Kochbücher, die neben Rezepten auch viel Wissenswertes über Esskultur und -gewohnheiten der jeweiligen Ländern vermitteln.
Als ich im Antiquariat in der Sendlinger Straße entdeckt habe, dass es aus der Reihe auch “Orient” für 14,95 statt 29,95 Euro gibt, habe ich gleich zugegriffen.
Wie immer bei GU sind die Rezepte übersichtlich gestaltet und die Anleitung sehr gut nachvollziehbar. Dazu gibt es ein umfangreiches Glossar zu Gewürzen, Pasten und Gewürzmischungen, die im beim orientalischen Kochen ja reichhaltig zum Einsatz kommen. Außerdem bieten die Autoren - wie bei allen Exemplaren der Reihe - auch Vorschläge für Menüs, Buffets und Festmähler. So fällt die Zusammenstellung mehrerer Speise noch leichter.
Durch die Einblicke in das kulturelle Leben und die Essgewohnheiten wird Blättern im Kochbuch schnell zum Kopf-Urlaub und macht richtig Lust, sich an die Töpfe zu stellen.

Weil am Wochenende Biergartenwetter herrschte, haben wir (also eigentlich der bEdW) gleich ein paar Schmankerl ausprobiert: Bulgur-Salat mit viel Petersilie und Minze, Lammhackfleischbällchen mit Bulgur (herrlich gewürzt) und einen scharfen Tomatensalat (der Clou: Tomaten häuten und mit hauchdünnen Chili-Ringen, Zitronensaft, Olivenöl und gehackter getrockneter Tomate aromatisieren. Ein Aroma-Traum!). Alles wahnsinnig lecker, wenn auch nicht unaufwändig. Aber gerade die 1001 Mezze-Variationen (kleine Dips und Vorspeisen, die in unzähligen Schälchen auf den Tisch kommen) eignen sich bestens auch mal für einen kleinen Imbiss oder eben als Biergarten-Schmankerl.
Für mich ganz klar: Neben Indien, Vietnam und Orient ist noch viel Platz im Regal für weitere Bücher der Reihe.
Bilder von amazon.
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22.8.2010 von Julia.
Der Ball rollt endlich wieder! Und zur Feier des Saisonstarts gibt’s traditionell einen Riesenpott Chili Con Carne zur Konferenzschaltung am Samstag. CCC ist zudem ein super unkompliziertes Essen, weil es sich praktisch von selbst macht. Man benötigt lediglich ein bisschen Zeit. Dafür kann man es aber auch prima vorbereiten. Denn mit jedem Mal aufwärmen wird es noch besser.
Für Chili gibt es sicher tausend Rezepte. Meines basiert auf einer frühen Alfredissimo-Sendung mit Dirk Bach. Allerdings verzichte ich auf den ganzen Schnickschnack, den Dirk Bach am Ende in das wirklich leckere Chili geschmissen hat (Gouda-Würfel und ANANAS!!!!). Aber es war das erste richtige Gericht, das ich als Studentin gekocht habe. Das erste nach fixem Rezept überhaupt. Und seitdem ist es in meinem Repertoire, ist mit mir von Wohnung zu Wohnung gezogen und hat bereits viele, viele Fans gewonnen. Beispiele gefällig? Meinem Mann musste ich das Eheversprechen (!) geben, dass immer eine Portion Chili zumindest mal im TK-Fach lagert. Meine Schwiegermutter hat Chili sogar schon mal zum Frühstück gegessen und liebe Freunde (wohnten im selben Haus in Schwabing) sind mal der Nase nach durch’s Treppenhaus gegangen und haben natürlich rein zufälligbei uns geklingelt
Deshalb ist der Chili-Topf meist groß genug für viele Gäste und Einfrier-Portionen. Deshalb reichen die folgenden Zutaten auch für mindestens 4 sehr hungrige Esser, 6 normale Gäste (die gibt es bei Chili aber irgendwie nie) oder für 2 mit der Möglichkeit morgen und übermorgen und überübermorgen noch davon zu essen…
1 kg Rinderhackfleisch
6 Zwiebeln
4 Knoblauchzehen
2 Habanero-Chilis (oder was man verträgt. Das sollte jeder selbst rausfinden. Vielleicht erstmal mit 1 Chili anfangen und dann stufenweise abschmecken!)
100 gr Tomatenmark
1 l Brühe (Rind- oder Gemüsebrühe. Dann bitte beim Nachsalzen beachten, wie salzig die Brühe ist!!)
2 Gläser Salsa-Dip hot (gibt’s im TexMex- und im Chips-Regal)
3 Dosen Kidney-Bohnen
2 große Dosen Mais
Gewürze: 1 EL gemahlener Kreuzkümmel 1 EL Paprikapulver (scharf), 2 TL Salz, 2 TL Zucker (Alternativ geht auch ein Tütchen Chili con Carne Seasoning Mix (TexMex-Regal). Dann aber bitte eines ohne Glutamat.)
Dazu schmecken Fladenbrot und Tacochips. Bitte KEIN Sauerteigbrot. Vertraut mir einfach! Joghurt als Topping nimmt die Schärfe etwas. Guacamole ist auch noch eine feine Beilage, die ebenfalls bei zu viel Schärfe etwas lindert. Dazu einfach das Fleisch einer reifen Avocado,1 Knoblauchzeh, Salz, Zitronensaft und Tabasco cremig rühren.
Noch ein Tipp: Die Habanero-Chilis geben eine schöne rauchige Schärfe, sind aber auch wirklich scharf! Man kann auch andere Chilischoten verwenden. Wir hatten beispielsweise noch Vogelaugenchilis (sehr spitze Schärfe) übrig, weshalb ich davon noch welche zu der Habanero dazugenommen habe. Es ist übrigens wirklich empfehlenswert, sich beim Chili-Schneiden enge Haushaltshandschuhe anzuziehen. Ich hatte mir gestern in den Finger geschnitten und wollte ungern den Chilisaft in dem Schnitt haben. Aber auch andere empfindliche Stellen danken Euch, wenn Ihr die Handschuhe übergezogen habt. Glaubt jemandem, der sehr oft Chilis schneidet und meist die Handschuhe vergisst!
Los geht’s:
Zwiebeln, Knoblauch, Chilis fein hacken und in etwas Öl anschwitzen. Tomatenmark dazugeben und mitrösten (gibt ein feines Röstaroma und nimmt gleichzeitig die Säure). Jetzt das Fleisch nach und nach anbraten. Den Liter Brühe und die Gewüzre dazugeben. Das Ganze jetzt eine Stunde zugedeckt bei kleiner Hitze köcheln lassen. Bohnen und Mais abtropfen lassen. Die Bohnen kann man vorsichtig (sonst platzt die Schale) abspülen, damit die etwas schleimige Brühe nicht ins Chili kommt. (Es gibt übrigens meiner Erfahrung nach keine Qualitätsunterschiede bei Bohnen und Mais. Ich nehme seit dieser Erkenntnis immer die günstigste Sorte.)
Nach einer Stunde Bohnen, Mais und Salsa dazugeben. Alles ordentlich umrühren und noch mal rund eine halbe Stunde köcheln lassen (zugedeckt). Fladenbrot teilen und eventuell noch mal auftoasten. Chili final abschmecken mit Salz und Chilipulver. In Schälchen geben und mit einem großen Löffel Joghurt anrichten. Zum Nachwürzen Tabasco und Chiliflocken auf den Tisch stellen.
Unnötig zu sagen, dass es einfach keinen Wein gibt, der die Schärfe irgendwie stemmen könnte. Auch die leichte Säure des Chilis macht es Wein schwer. Weil Mineralwasser die Schärfe nur unnötig im Mund verteilt (trinken hilft NIE bei Schärfe. Lieber Joghurt oder Brot nehmen, wenn’s mal zu krass ist), am besten ein Bier dazu. Wir sind ja eh große Fans der friesisch-herben Biere. Aber neben seinem normalen hat Jever auch ein sehr leckeres alkoholreduziertes (Jever light) sowie ein wirklich trinkbares alkoholfreies Bier (Jever Fun) im Angebot. Alle drei Sorten passen durch das herbe Aroma wirklich prima zum Chili - und zur Konferenzschaltung!!
Habt Ihr eigentlich auch solche “Traditionsrezepte”? Vielleicht zum Start der Grillsaison oder dem Ende der Sommerferien oder oder oder…
Geschrieben in alkoholfrei, Essen | 3 Kommentare »
20.8.2010 von Julia.
Da kommt man abends nichtsahnend nach Hause, erschnuppert aber bereits im Treppenhaus, dass es irgendwo was ganz Feines gibt und nach dem Tritt durch die Tür sieht man: Der bEdW (=beste Ehemann der Welt) hat mal flugs einen Schweinsbraten in den Ofen geschoben. Einfach so. Ohne Ankündigung. Und weil er’s halt mal ausprobieren wollte. Und noch nie gemacht hat. Und der Schweinsbraten beim Fleischer so lecker aussah. Aha! Man lässt sich ja gerne überraschen.
Deshalb gibt’s unten den ersten Gastbeitrag vom Schweinsbraten-Flüsterer und bEdW.
Und weil ich heute eine ganz liebe Nachricht darüber erhalten habe, dass meine Ex-Kollegin und nach-UK-Auswanderin Madlen das German Abendbrot besonders gerne wegen der deutschen Rezepte und für’s Heimatgefühl liest, ist das folgende Rezept ihr und all den anderen in der Fremde gewidmet! Enjoy!
Beim Schweinebraten (als Rheinländer weigert sich der bEdW natürlich, Schweinsbraten zu sagen!) gibt es sicher hunderte Rezepte. Wammerl (Bauch) als Basis finde ich unnötig fett, Schulterbraten sollte reichen. Viele starten damit, das Fleisch auf der Krustenseite anzubraten, damit diese knusprig wird. Ich habe allerdings die Schuhbecksche Variante gewählt, denn damit wird die Kruste perfekt knusprig. Also: Zunächst den Braten salzen und pfeffern und in Öl anbraten, wobei man die Krustenseite auslassen kann. Dann etwas Gemüse- oder Hühnerbrühe aufgießen, den Braten mit der Fettseite nach unten in die Brühe setzen, sodass die Schwarte komplett bedeckt ist (hier gilt, so viel Brühe wie nötig, so wenig wie möglich, da wir den Bratensaft später möglichst konzentriert haben wollen) und etwa 45-60 Minuten (je nach Bratengröße) im Ofen bei 140 Grad garen. Das macht die Schwarte zunächst schön zart.
In der Zwischenzeit das Gemüse (etwa 2 Zwiebeln, 250gr Sellerie, 2-3 Möhren, 150gr Petersilienwurzel, hier kann man aber flexibel nehmen, was an Wurzelgemüse da ist) putzen und beliebig klein schneiden. Einen halben EL Puderzucker bei mittlerer Hitze karamellisieren lassen, 1 EL Tomatenmark und Gemüse dazu geben, kurz anrösten und mit 150 ml Bier aufgießen (eins für den Braten, eins für den Koch! :))und dieses dann stark reduzieren lassen. Derweil den Braten aus dem Ofen holen, Temperatur auf etwa 160 Grad hochdrehen. Die Fettseite des Bratens rautenförmig (oder je nach Belieben) einritzen und den Bratensaft mit etwa 200-300ml zusätzlicher Gemüse- oder Hühnerbrühe zu dem Gemüse geben (hier kommt es stark darauf an, wie viel Bratensaft vom ersten Schritt übrig geblieben ist – ggf. benötigt Ihr keine zusätzliche Brühe mehr zum Angießen) . Den Braten auf das Gemüse setzen und für etwa 60 Min. ab in den Ofen – mit der Fettseite nun nach oben!!!! Nach etwa 45 Min. weitere Aromaträger (Knoblauch, Lorbeerblätter, Kümmel, Majoran etc…) dazu geben. Sollte der Braten nicht die gewünschte knusprige Kruste bekommen, die letzten 10-15 Min. der Garzeit den Grill bzw. Oberhitze einschalten und ggf. eine Schiene weiter nach oben setzen.
Nach der Garzeit den Braten beiseite stellen. Nun kommt es darauf an, wie Ihr mit der Soße weiter verfahren wollt bzw. wie viel Ihr in den Schritten zuvor zugefügt habt. Man kann sie durch’s Sieb passieren oder lassen wie sie ist, weiter einkochen, oder eben nicht. Ich habe sie passiert und etwas einkochen lassen, weil ich etwas zu viel Brühe zuvor genommen hatte und den Geschmack etwas intensivieren wollte. Dabei mit Salz, Pfeffer, ggf. etwas Zitronenabrieb für die Frische abschmecken – und fertig.
Den Braten aufschneiden, Soße angießen (nicht über die Kruste J) und mit Kartoffeln oder einem Stück Brot genießen.
(Der beste Schweinsbraten der Welt! Was für ein Geruch! Und die Sauce war der Hammer! Nicht so fettig glasig oder gar Tütchen-artig wie sie einem in manchen Wirtshäusern vorgesetzt wird. Da braucht’s keine Klöße und kein Blaukraut dazu. Einfach Brot in die Sauce und so lange lieb schauen und loben, bis man noch ein Stück Kruste extra bekommt. Seuftz...)
Geschrieben in München, Essen, German Abendbrot | 3 Kommentare »
18.8.2010 von Julia.
Sommer ist Einmachzeit. Damit fängt man die schönste Jahreszeit quasi in Gläsern ein! Super für Leute, die Marmeladen und Gelees mögen. Ich bin aber leider kein Süßfrühstücker (außer es gibt das Pflaumenmus meiner Oma oder den Frizzante-Granatapfel-Gelee meiner Mutter!). Um trotzdem Früchte und Zucker in rauhen Mengen in Schraubgläser füllen zu können, muss eine Alternative her.
Da passt das Stachelbeer-Chutney-Rezept aus der Brigitte perfekt. Auch wenn ich noch nie in meinem Leben ein Chutney gemacht habe, fand ich das Rezept noch optimierungsbedürftig. Deshalb hier MEINE Zutaten - als Leitfaden und bereit für weitere Variationen!

ca. 1 kg Stachelbeeren (vielen Dank an meine Kollegin Ortrud, die großzügig den Busch in ihrem Garten geplündert hat!)
1 große Gemüsezwiebel
3 Knoblauchzehen
1 Riesenstück Ingwer
2 Chilischoten (rot und frisch)
400 gr Zucker
350 ml Weißweinessig
Lorbeerblatt, 1 TL Senfkörner, 1 TL Kurkuma, 1/2 TL Chilipulver, 1/4 TL Asafötida (stranges, stinkiges indisches Gewürz aus einer harzigen Fenchelart, das man irgendwie sonst nie verwendet, aber einen interessant-exotischen Geschmack bringt, wenn es erst mal gekocht wird. Unbedingt fest verschlossen aufbewahren. Das Zeug heißt nicht umsonst auch “Teufelsdreck”!)
Bei Bedarf: Maisstärke zum Andicken
Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer fein hacken. Chilischoten anritzen, Stachelbeeren waschen und abtropfen lassen.
Knobi, Ingwer und Chili in etwas Öl anschwitzen. Lorbeerblatt und Zwiebeln dazugeben und einige Minuten bei Rühren anschwitzen. Zucker dazugeben (vielleicht nicht gleich die ganze Menge nehmen, sondern bei Bedarf nachsüßen). Rühren, bis der Zucker geschmolzen ist. Dann den Essig und die Stachelbeeren dazugeben. Aufkochen lassen und mit den Gewürzen verfeinern. Dann ca. 30 Minuten lang ohne (!) Deckel bei mittlerer Hitze kochen und abschließend mit Salz abschmecken. Eventuell etwas andicken mit Maisstärke. Mir schien das Ganze nämlich recht flüssig.

Das Chutney jetzt heiß in saubere Schraubgläser füllen. Bis zum Rand voll machen, zuschrauben und umgestürzt auf den Kopf stellen. Nach einiger Zeit sollte dann sämtliche Luft draußen sein. Trotzdem glaube ich, dass man das Chutney nicht ewig aufheben sollte.
So wie es jetzt schmeckt (wahnsinnig leckere Mischung aus sauer, süß und scharf!), passt es phantastisch zu Hühnchen, Grillfleisch, gegrillten Scampi oder auch auf ein kaltes Hühnchen-Sandwich. Ich kann es mir aber auch zu kräftigem Bergkäse oder Ziegenkäse-Souflee vorstellen. Ich bin jedenfalls begeistert - und gespannt, was Ortrud sagt, die natürlich ein Glas abbekommt!
Das Schönste an der ganzen Kocherei heute war aber, dass ich a) seit gefühlten 100 Jahren mal wieder Stachelbeeren gegessen und b) zum allerersten Mal ein Chutney gekocht habe. Jedes Mal, wenn ich mir ein neues Rezept oder eine neue Zubereitungsart erschließe, freue ich mich wie ein Kind, das zum ersten Mal alleine Fahrrad fährt oder endlich rausfindet, wie man auf Fingern pfeift.
Verrückt? Oder ganz normal für Hobbyköche? Was sagt Ihr? Und was kommt bei Euch in die Einmachgläser, um den Sommer einzufangen?
Geschrieben in Ingwer, Indisch, Essen | 6 Kommentare »
16.8.2010 von Julia.
Nach Tipps für Web 2.0-affine Weingüter, Online-Händler für griechischen Wein, das beste indische Restaurant in Frankfurt oder Riesling Chutney aus Rheinhessen, wird es Zeit, mal was zum Thema Laufen zu posten. Denn mich begeistert nichts mehr als freundliche und kompetente Verkäufer. Die sind in meinem Alltagsleben leider so selten, dass es mich fast zu Tränen rührt, wenn ich auf welche treffe.
Heute Abend gab’s wieder mal so eine Situation: Ich hatte mich ja schon wieder auf stundenlanges Anprobieren und 35 Paar Laufschuhe eingestellt. Die arme Verkäuferin, die sich im letzten Jahr zwei (!) Stunden lang mit mir rumgeschlagen hat, weil JEDES verdammte Paar Schuhe zu weit war, tut mir jetzt noch leid. Aber sie blieb trotzdem stets freundlich und hat mich kompetent und mit einer Engelsgeduld zu meinem besten Paar Laufschuhe beraten, das ich je hatte. (Und leider weiß ich ihren Namen nicht mehr, sonst gäb’s hier ein Denkmal für sie!). Das blieb sogar nach Ladenschluss so. O-Ton: “Ich lasse Sie hier erst raus, wenn Sie das absolut richtige Paar gefunden haben.” Ich LIEBE das!
Also bin ich heute wieder zu Runner’s Point am Münchner Marienplatz und hatte innerlich schon damit abgeschlossen, vor 21 Uhr nach Hause zu kommen. Und wieder: Obwohl viel los war, wurde in Ruhe eine Laufbandanalyse gemacht, beraten, viele Paare Schuhe angeschleppt, Tipps für den Halbmarathon mit dazu gegeben… Ich bin wiedermal als glücklicher, zufriedener Kunde dort rausgegangen. Und zwar nach 30 Minuten!! Das 2. Paar war perfekt, hat gepasst, leicht wie eine Feder und einfach suuuuper! Danke, Herr Leitl! (Diesmal habe ich mir den Namen gemerkt! Was vielleicht auch daran lag, dass er meinen Laufstil als absolut perfekt gelobt hat.
). Just for the records und für die Läufer unter Euch: Es wurden natürlich wieder Adidas-Schuhe, weil alle anderen Marken zu weit für meine Füße sind. Diesmal: Supernova Glide 2 W. Fühlt sich an wie auf Wolken…
So, das musste einfach mal gesagt werden! Und auf Twitter könnt Ihr immer mal wieder lesen, wenn mich jemand freundlich bedient hat. Ich werde nämlich nicht müde, die vielen Menschen zu loben, die ihren Job als Dienstleister ernst nehmen, höflich bleiben, wissen, wovon sie reden und den Eindruck vermitteln, gerne mit Kunden zu tun zu haben. Und deshalb sollte man ihnen das auch sagen oder gleich den Chef kommen lassen. Ich habe jedenfalls heute eine Lobes-Email bei www.runnerspoint.de abgeschickt. Ich freue mich schließlich auch über Lob - und ich sage übrigens auch, wenn mich jemand nicht nett bedient oder ich unzufrieden bin! Darauf reagiere ich nämlich mit allergischem Schock!
Wann seid Ihr das letzte Mal richtig nett bedient worden? Welchen Laden sucht Ihr immer wieder gerne auf, weil die Verkäufer/innen oder Kellner/innen freundlich und hilfsbereit sind? Und sagt Ihr den Leuten auch, wenn Ihr zufrieden seid? Oder fällt es Euch leichter, was zu sagen, wenn Ihr Euch ärgert?
Geschrieben in laufen, München | 3 Kommentare »
15.8.2010 von Julia.
Manchmal habe ich keine Zeit zu kochen, manchmal habe ich keine Lust dazu, manchmal schon und manchmal freue ich mich richtig drauf! Samstag war so ein Tag. Ich war HEISS auf’s Kochen, darauf stundenlang in der Küche zu stehen und ganz viele Sachen zuzubereiten. Das Beste für so einen Koch-Flash ist - Ihr ahnt es schon - die indische Küche. Hier geht’s nämlich nicht nur um Hauptgericht und Beilage, sondern um viele Beilagen, Relishs, Chutneys usw. Perfekt für den Koch-Flash!
Und als ich dann so über dem Mörser hing und Gewürze gemörsert habe, musste ich daran denken, was für ein Privileg es ist, kochen zu können, wenn man wirklich Lust dazu hat. Aber nicht kochen zu müssen. (Wer jetzt endlich über das Chicken Tikka mehr erfahren will, sollte besser runter scrollen. Beim Mörsern werde ich immer etwas philosophisch!) Anders als unsere Mütter oder Großmütter müssen die wenigsten Frauen meiner Generation jeden Tag eine warme Mahlzeit auf den Tisch bringen und quängelige Esser zufriedenstellen. Stattdessen können wir uns aussuchen, ob wir kochen wollen oder nicht. Ob wir es lieber unseren Partnern überlassen (auch wenn meine Oma heute noch den Kopf darüber schüttelt, dass mein Mann kocht. Sie bedauert ihn dann immer, weil sie denkt, er tue das, weil ich ihm nichts koche…), mal mit einem belegten Brot zufrieden sind oder auch einfach mal zum Vietnamesen gegenüber gehen.
Dadurch ist das Kochen für uns eben nicht mehr ungeliebte Hausfrauenpflicht sondern im besten Fall Hobby, Ausgleich zum Job, Kreativ-Schub etc. Und es stehen uns alle Küchen der Welt offen. In einer Großstadt gibt es kaum Zutaten, die es nicht irgendwo zu kaufen oder zumindest zu bestellen gibt.
Gleichzeitig fangen wir aber an, uns auf unsere Wurzeln zu besinnen. Kartoffelsuppe, Schweinsbraten oder Zwetschgenmus erscheinen uns plötzlich himmlisch, weil es uns in unsere Kindheit versetzt und weil es nach all den exotischen Genüssen, so einfach und so gut schmeckt. Ich wünsche mir manchmal, ich könnte bestimmte Gerichte noch mal “zum ersten Mal” schmecken. Zum Beispiel Sushi. Ich war wie elektrisiert, dass sowas “Ekliges” wie roher Fisch so unglaublich phantastisch schmecken konnte und so überhaupt nicht eklig war. Heute gibt es Sushi in jedem Supermarkt und ist als Fast Food fast so beliebt wie Currywurst und Pommes. Nach geschätzten 1000 Mal Sushi würde ich viel dafür geben noch mal das erste Sushi meines Lebens zu schmecken.
Ok, ich bin etwas abgeschweift. Das passiert schon mal, wenn ich über dem Mörser hänge und meine Gewürze mahle. Es gibt in modernen Küchen keine archaischere Tätigkeit. Vielleicht kommt man deshalb manchmal etwas ins Philosophieren? Vielleicht hat ja einst eine kluge Frau in Fell gewickelt und Urkorn mahlend das Rad erfunden
Aber jetzt endlich zum Chicken Tikka! Also: Es heißt ja ständig, das sei kein indisches Gericht, sondern von Engländern entwickelt. Ähnlich wie es keinen Döner in der Türkei gibt. Aber alleine die Zutaten sind schon sehr indisch. Und schmecken tut’s auch. Also: Who cares? Allerdings gibt es so viele unterschiedliche Rezepte. Ich habe mir aus mindestens 4-5 verschiedenen mein eigenes Rezept zusammengestellt. Here we go!
Zutaten:
500 gr Hühnerbrust (reicht für 4 Esser)
2 Dosen Tomaten
500 gr Naturjoghurt (ich nehme 1,5% oder fetter)
Ghee (geklärte Butter - ersatzweise Pflanzenöl)
Sahne oder Sahneersatz
1 große Zwiebel - gehackt
2 Zehen Knoblauch - gehackt
1 grüne Chilischote - in feine Ringe geschnitten
1 Stück Ingwer - geschält und gehackt
Folgende Gewürze gemahlen:
1 Stück Zimt
4 TL Cumin (Kreuzkümmel)
2 TL schwarzer Pfeffer
1 TL Paprika
3 TL Chilipulver (oder weniger, wenn man es nicht so scharf möchte)
2 TL Koriander
Salz, Zucker
2 TL Zitronensaft
Und so geht’s: Hühnchen abwaschen, trockentupfen und in mundgerechte, nicht zu kleine Brocken schneiden. Die Hälfte des Joghurts mit dem Zitronensaft, 2 TL vom Cumin, 2 TL des Chilipulvers, dem schwarzen Pfeffer, Zimt, 1 TL Salz und dem Ingwer mischen. Hühnchenbrocken mit der Joghurt-Sauce marinieren. Am besten mindestens 2 Stunden oder auch über Nacht.
Während das Hühnchen mariniert, hat man Zeit, sich um die “Beilagen” zu kümmern. Bei uns gab es diesmal wieder Gurken-Raita. Außerdem indischen Möhrensalat, den Anne vom Blog Vitamin A bis Z auf www.eatsmarter.de entdeckt hat, sowie ein Tomaten Relish und (gekauftes) Riesling-Chutney vom Weingut Wehrhof, die nicht nur gutes Chutney machen ;-). Für das Relish zwei Hand voll Cocktailtomaten vierteln, entkernen und klein hacken. Korianderblätter hacken, grüne Chilischote klitzeklein hacken, mit etwas Limettensaft, Cumin, Salz und einer Prise Zucker würzen und gut durchziehen lassen. Außerdem gab es noch Naan-Brot, das ich ehrlich gesagt nicht selber mache. Ich bin einfach nicht gut im Backen und finde, dass der Aufwand in keinem Verhältnis zum Ergebnis steht. Naan-Brot gibt es zum Aufbacken im Supermarkt oder Asia-Laden. Also zugreifen und am besten immer im Haus haben. Ist super zu Dips, Gegrilltem, Salaten und natürlich jedem indischen Gericht.
Wenn man die Beilagen fertig und sich zwischendrin vielleicht eine Tasse Kaffe gegönnt hat, kann man mit dem fertig marinierten Hühnchen weitermachen:
Die Hühnerstücke aus der Marinade nehmen (es darf ruhig noch ordentlich Joghurt am Fleisch hängen bleiben) und auf vorher gewässerte Holzspieße stecken. Das Ganze dann im vorgewärmten Ofen auf der obersten Schiene unterm Grill ca. 8 Minuten garen lassen. Dadurch sickert die Marinade schön ins Fleisch, das ganz zart bleibt und einen leckeren Grillgeschmack bekommt.
Dann das abgekühlte Hühnchen von den Spießen schieben und zur Seite stellen (das riecht schon soooo lecker und kann auch jetzt schon mit etwas Brot und Salat gegessen werden, wenn es mal schnell gehen muss). In einer Schmorpfanne Ghee schmelzen und darin Knobi, Zwiebeln und einen Großteil der grünen Chiliringe anschmoren. Mit dem Koriander, dem restlichen Cumin, Paprikapulzer und Salz würzen, bis die Gewürze schön angeröstet sind. Dann die Tomaten zugeben und rund 15 Minuten einkochen lassen (in dieser Zeit schon mal den Reis aufsetzen und das Brot in den Ofen schieben). Die Sauce sollte nicht zu flüssig sein. Wenn das doch der Fall ist: Hitze hochdrehen und weiter reduzieren lassen oder eine rohe Kartoffel reinreiben.
Jetzt die Hitze runter drehen, bis die Sauce nicht mehr kocht. Jetzt etwas Sahne und den restlichen Joghurt zugeben. Dafür ist es wichtig, dass die Sauce nicht mehr zu heiß ist, sonst flockt der Joghurt. Das macht zwar für den Geschmack nichts, sieht aber nicht so schön aus. Je fetter der Joghurt, desto cremiger wird die Sauce. Aber das ist natürlich auch eine Frage des Geschmacks. Ich versuche immer unnötiges Fett zu vermeiden.
Zum Schluss das Hühnchen dazu geben und noch mal heiß ziehen lassen (aber nicht kochen!). Ganz am Ende mit Zucker, Salz und Garam Masala final würzen. Auch das GM sollte nicht kochen, damit es nicht bitter wird.
Jetzt alles (Chicken Tikka, Reis, Raita, Möhrensalat, Tomatenrelish, Brot) in die Mitte des Tischs stellen und sich wie ein Maharadscha fühlen. Am besten geht das mit Thali-Geschirr, das man aus indischen Restaurants kennt: unzählige Metallschüsselchen in unterschiedlichen Größen. Geht aber natürlich auch in ganz normalen Schälchen…
Dazu passt übrigens einfach kein Wein. Wir haben’s ausprobiert und noch keinen entdeckt, der mit all den Gewürzen, der Schärfe, dem Joghurt usw. mithalten kann. Wer einen Tipp hat, darf sich gerne melden. Ich wollte heute nach 4 (!) Stunden in der Küche einfach nur noch ein kühles, herbes Bier. Prost!
Kleine Warnung: Die Küche sieht nach so einer Aktion wirklich aus wie ein Schlachtfeld. Die 5. Stunde ging dann für’s Spülen und Aufräumen drauf. Aber der bEdW (=beste Ehemann der Welt) hat dann den Boden aufgewischt, während ich glücklich, satt und schnurrend wie ein indischer Tiger auf die Couch gesunken bin und eine DVD eingelegt habe (lustigerweise den Food-Blogger-Film Julia & Julie mit der unbeschreiblich göttlichen Meryl Streep). Apropos: Steffi vom Ohhh…Mhhh Foodblog hat einen unglaublichen Schoko-Kuchen nach Julia Child-Rezept gebacken. Das Ding ist der Hammer! (Ich rede vom Kuchen. Aber auch das Blog ist eines meiner Lieblingsseiten im Web und immer einen Besuch wert!)
Kommt Ihr beim Kochen auch manchmal ins Philosophieren? Gibt es noch andere meditative Tätigkeiten in der Küche außer dem Mörsern? Und was war Euer letzter Koch-Flash? Lasst es mich wissen. Ich freue mich drauf.
Geschrieben in Ingwer, Indisch, Essen | 1 Kommentar »